
Am Anfang war ChatGPT. Dann kamen Midjourney und diverse spezialisierte Tools für die Kreation dazu, gefolgt von neuen Anbieter:innen und Modellen von Gemini, Perplexity und Claude. In unseren regelmässigen internen KI Lunch Talks haben wir seit Anfangs 2023 Erfahrungen, Entwicklungen und Prompt-Templates geteilt, Mitarbeitende geschult und im Juni 2024 unseren ersten Kund:innen-Anlass zu KI-Entwicklungen und praktischen Anwendungen fürs Marketing durchgeführt.
Aber die Tools und Modelle entwickelten sich rasant weiter und je intensiver wir die Nutzung von KI im Alltag erprobten, desto klarer wurden die Grenzen:
Datenschutz: Daten direkt in US-Cloud-Dienste eingeben? Für Schweizer Unternehmen und deren Kund:innen nicht ideal und mit dem Schweizer Datenschutzgesetz ein echtes Thema.
Konsistenz: Trotz Schulungen und Prompt-Vorlagen nutzte jede:r KI anders. Drei Leute, gleicher Auftrag, drei unterschiedliche Ergebnisse.
Tool-Wildwuchs: Verschiedene Modelle brillieren in unterschiedlichen Aufgaben. Wer sich nicht täglich damit beschäftigt, greift zum bekannten Tool statt zum Besten.
Kosten: Direkt verbunden mit dem Tool-Wildwuchs ist der Verlust der Kostenübersicht. Je mehr KI-Tools genutzt werden, desto mehr Abonnements müssen abgeschlossen werden.
Wissensmanagement: Kontext geht nach jeder Session verloren. Über verschiedene Tools hinweg funktioniert das erst recht nicht: Was in ChatGPT erarbeitet wurde, existiert in Claude schlicht nicht.
Schnell wurde klar: Wir brauchen eine Lösung, die allen im Team den Zugang zu den richtigen Modellen erleichtert, Qualität standardisiert, Daten schützt und die Kosten im Griff behält. Also haben wir eine eigene KI-Umgebung implementiert: Dash.
Dash ist unsere eigene KI-Umgebung, aufgebaut auf einer Open-Source-Basis und angepasst an unsere Agentur-Bedürfnisse. Statt zwischen verschiedenen Tools hin und her zu wechseln, hat unser gesamtes Team über eine einzige Oberfläche Zugang zu den führenden KI-Modellen, von GPT-5 über Gemini, Perplexity und Claude bis Mistral. Mit einer API-basierten Lösung zahlen wir nur für die effektive Nutzung, zu besseren Konditionen als mit einzelnen Abos.

Dash ist auf einer Cloud-Infrastruktur in der Schweiz gehostet. Es werden keine Daten zu Trainingszwecken weitergegeben. Daten unserer Kund:innen können verarbeitet werden, ohne sie in fremde Hände zu geben.
Trotzdem bearbeiten wir sensible Daten bewusst nur anonymisiert und verzichten darauf, vertrauliche Informationen in die KI-Modelle einzuspeisen. Aber auch Menschen machen Fehler. Deshalb verfügt Dash über zusätzliche Guardrails: Selbst wenn versehentlich Kundenidentifizierende Daten eingegeben werden, anonymisiert Dash Personendaten und heikle Informationen automatisch, bevor sie das KI-Modell erreichen.
Das Commitment zum Datenschutz im Zusammenhang mit KI ist bei in flagranti also kein blosser Disclaimer, sondern integraler Treiber bei der Entwicklung unserer eigenen KI-Lösung.
Unsere Custom Agents sind digitale Assistenten, die auf spezifische Aufgaben und Vorgaben unserer Kund:innen konfiguriert sind. Sie unterstützen unsere Texter:innen, Strateg:innen und Berater:innen und übernehmen spezialisierte Aufgaben. Ein paar Beispiele: Kundenspezifische Lektorats-Agents prüfen Texte auf Rechtschreibung, Sprachleitfäden, Gender-Richtlinien und individuelle Glossare, bevor irgendetwas an die Kund:innen geht. SEA-Agents unterstützen bei der Entwicklung von Google Ads Titeln und Textzeilen exakt innerhalb der Zeichenlimits. Der SEO-Content-Agent analysiert Website-Inhalte und optimiert sie von Struktur über Verständlichkeit bis hin zu Meta-Tags.
Das sind nur einige von vielen Beispielen. Laufend kommen neue Agents dazu, nämlich dort wo es Sinn macht und die Arbeit unserer Mitarbeitenden erleichtert. Unser Team hat dafür einen eigenen Agent-Builder-Agent entwickelt, der aus einfachen Aufgabenbeschreibungen neue Agents erstellt.
Wichtig: Unsere Agents liefern Entwürfe und Vorarbeit, keine fertigen Ergebnisse. Am Ende prüfen und finalisieren immer Fachpersonen.
Dash steht nicht isoliert da. Über Schnittstellen lässt sich die Plattform mit bestehenden Tools verbinden, zum Beispiel mit aktuellen Keyword-Daten aus SEO-Tools wie Semrush, Projektmanagement über Asana oder andere externe Datenquellen. Die Möglichkeiten sind praktisch unbegrenzt und wir bauen unsere KI-Tools laufend aus.
Genug Theorie. So sieht der Einsatz bei uns in der Praxis aus.
Für einen grossen Website-Relaunch mussten Inhalte von über 100 Unterseiten an eine neue Seitenstruktur angepasst, zusammengeführt und vereinfacht werden. Die Inhalte sollten SEO-optimiert und verständlicher für die Nutzer:innen geschrieben werden, ohne relevante Punkte zu verändern. Und ohne dass die KI Informationen dazuerfindet. Bei diesem Volumen eine enorme Fleissarbeit.
Unser Vorgehen:
Briefing mit Kund:in: Anforderungen klären, Guidelines und Einschränkungen definieren.
SEO- & UX-Konzept entwickeln: Keyword-Analyse, Definition der Seitenstruktur und Keyword-Matching mit bestehenden Tools und KI-Unterstützung.
Content-Template und Mockups für Seitenaufbau definieren: Klare Vorlage, wie die optimierten Texte und Seiten aussehen sollen.
KI-Agents konfigurieren: Ein spezifischer Agent, der Texte analysiert, umschreibt, Seiten zusammenfasst, SEO-Vorgaben einhält und nutzer:innenzentrierter formuliert. Ein zweiter Agent, der die Designmodule und Zeichenbeschränkungen kennt und die optimierten Texte darauf anpasst.
Texte durch die Agents optimieren: Die bestehenden Texte inkl. Fokus-Keywords aus der Strategie einfügen und direkt einen optimierten Vorschlag erhalten, angepasst an die Zeichenvorgaben der definierten Design-Module.
Inhaltlicher Review durch Kund:in: Faktencheck, inhaltliche Erweiterung und Freigabe.
Stilistischer Feinschliff durch unsere Texter:innen: Sprache, Stil und Markenstimme prüfen und anpassen.
Finales Lektorat: Letzte Prüfung, ebenfalls KI-unterstützt durch unseren Lektorats-Agent.
Freigabe durch Kund:in.
Kein einziger Text wurde ungeprüft veröffentlicht. Jeder Inhalt wurde mindestens zweimal von Fachpersonen reviewed, sowohl inhaltlich wie stilistisch. Unsere Kund:innen wurden so weit in den Prozess integriert, dass sie die Arbeit mit den Agents direkt selbst übernehmen konnten. Unser Team konnte sich auf das konzentrieren, was den Unterschied macht: Strategie, Agent-Konfiguration, Qualitätssicherung und Feinschliff.
Für die Optimierung eines YouTube-Kanals haben wir einen mehrstufigen Automatisierungsprozess aufgesetzt. Über 50 Videos werden automatisiert heruntergeladen und transkribiert. Basierend auf den Transkriptionen, ausgewählten Fokus-Keywords und einem Abgleich mit den Angebotsinhalten auf der Website werden Titel und Beschreibungen optimiert und in einem Dokument festgehalten. Nach manueller Prüfung und Freigabe werden die Texte automatisch in die weiteren Landessprachen übersetzt und erneut zur Prüfung bereitgestellt. Sobald alles freigegeben ist, werden die optimierten Inhalte automatisch wieder hochgeladen.
Der gesamte Prozess spart enorm viel Zeit. Die menschliche Prüfung bleibt aber in jedem Schritt massgebend, sowohl bei den optimierten Texten als auch bei den Übersetzungen.
KI hilft uns nicht nur beim Erstellen und Optimieren von Inhalten, sondern auch beim Auswerten von grossen Datenmengen. Ein Beispiel: Eine Kampagne lief in drei Sprachen, über drei Kanäle, mit vier Sujets und je zwei Sujet-Varianten, also insgesamt acht Kombinationen, jeweils als Video und als Bild ausgespielt. Nach einer ersten Testphase wollten wir herausfinden: Welches Sujet funktioniert in welcher Sprache und in welchem Format auf welchem Kanal am besten? Über einen Upload der Performance-Daten als CSV in Dash liefert uns die KI in Minuten eine strukturierte Analyse.
Zwar unterstützen die Algorithmen der einzelnen Werbeplattformen bereits Testings innerhalb ihrer Kanäle. Eine kanalübergreifende Auswertung über verschiedene Sprachen, Formate und Sujets hinweg bedeutet jedoch einen erheblichen Aufwand. Für viele Kund:innen, gerade im KMU-Segment, wären Testing und Analyse in dieser Tiefe aufgrund von Budgetbeschränkungen schlicht nicht realistisch. KI-Unterstützung macht sie möglich.
Schön, dass wir intern effizienter sind. Aber was haben unsere Kund:innen konkret davon?
Schnellere Turnarounds: Weniger Zeit für Fleissarbeit bedeutet mehr Zeit für Strategie und Kreation. Also für die Arbeit, die den Unterschied macht.
Höhere Konsistenz: Unsere kundenspezifischen Lektorats-Agents stellen sicher, dass Wording, Gender-Richtlinien und Tonalität über alle Inhalte hinweg stimmen.
Datenschutz: Sämtliche Daten werden in einer geschützten Umgebung verarbeitet, gehostet in der Schweiz. Mit klaren Guardrails und ohne Datenweitergabe.
Qualität bleibt menschlich: KI liefert Entwürfe und Vorarbeit. Die finalen Ergebnisse kommen immer von Fachspezialist:innen.
Wir verkaufen keine KI-generierten Ergebnisse. Wir nutzen KI, um bessere Marketingarbeit zu liefern. Finale Visuals erstellen wir nicht rein mit KI, es sei denn, es ist von Kund:innen explizit gewünscht. Dann deklarieren wir das auch. Konzepte, die aus der KI kommen, gibt es bei uns nicht. Wir nutzen KI als Sparring-Partner. Die kreative Leistung bleibt beim Menschen.
Und die Rückmeldungen geben uns recht. Die Konsistenz stimmt, die Qualität ist spürbar. Und wenn Kund:innen den von uns konfigurierten Agenten gleich selbst einsetzen, ist das wohl das beste Feedback, das wir bekommen können.
Nach über drei Jahren intensiver KI-Nutzung im Agenturalltag haben sich einige Erkenntnisse herauskristallisiert:
Agents sind der Schlüssel: Gut konfigurierte Agents machen KI im Alltag zugänglich und halten die Qualität hoch. Auch für diejenigen, die sich nicht täglich mit den neusten Modellen und Prompting-Techniken beschäftigen. Mittlerweile fragen unsere Mitarbeitenden regelmässig, ob es für bestimmte Prozesse nicht einen Agent oder automatisierten Workflow geben könnte. Unser Digital-Team prüft, wägt ab und setzt bei Machbarkeit um. So entwickeln wir uns als Agentur stetig weiter.
Die eigene Plattform gibt Kontrolle: Modellwahl, Datenschutz, Agent-Qualität: alles liegt in unserer Hand und nicht in den Händen einzelner KI-Anbieter.
KI einfach machen lassen: Bei kreativen Ideen, Konzepten oder strategischem Denken liefert KI bestenfalls Sparring. Strukturieren, Ideen challengen und Lücken aufdecken: das geht. Die eigentliche Denkarbeit abnehmen: geht nicht.
Schlechte Prozesse werden mit KI nicht besser: Wie bei jeder Automatisierung gilt es, erst den Prozess sauber durchzudenken, dann die KI draufzusetzen. Nicht umgekehrt. Die KI kann aber als Sparringpartner beim Entwickeln des Prozesses helfen.
Ohne Zeitinvestition kein Qualitätsgewinn: Gute Agents und KI-Workflows brauchen Entwicklungszeit und vor allem gründliches Testing. Wer das überspringt, riskiert, dass die manuellen Korrekturen am Ende länger dauern als der ursprüngliche Prozess ohne KI.
Ein Tool bereitstellen reicht nicht. Am Anfang haben wir Dash mit minimalem Input aber ohne detaillierte Einführung intern zur Verfügung gestellt. Die Nutzung? Überschaubar. Erst als wir spezifische Agents angeboten und das Team gezielt geschult haben, kam es zur breiten Anwendung. Diese Erfahrung deckt sich mit dem, was wir seit 2023 in unseren KI Lunch Talks beobachten: Wer KI sinnvoll einsetzen will, muss verstehen, was sie kann und wo ihre Grenzen liegen. Gute Agents senken die Einstiegshürde massiv. Aber stetige Schulung und Befähigung der Mitarbeitenden bleiben unverzichtbar. Spätestens mit dem EU AI Act wird das auch regulatorisch relevant: In der EU dürfen Mitarbeitende dann ohne entsprechende Schulung KI im Unternehmenskontext nicht einsetzen.
KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz fürs Denken. Und es braucht klare Spielregeln. Deshalb haben wir ein eigenes KI-Reglement: Darin ist festgehalten, welche Tools genutzt werden dürfen, welche Daten in KI verarbeitet werden dürfen und welche nicht. Und bei sämtlichen KI-generierten Inhalten gilt Review-Pflicht durch eine Fachperson.
Willst du KI in deinem Unternehmen sinnvoll einsetzen? Ob Workshop, strategische Beratung oder konkretes Pilotprojekt: Wir starten dort, wo es dir am meisten bringt.